„Rentenreform, Gesundheitsreform, Steuerreform: Alles Herumdoktern an Symptomen. Nicht genug Geld in den Sozialsystemen und wir spielen in Deutschland ‚Rechte-Tasche-Linke-Tasche‘, statt dass wir die tatsächlichen Ursachen drohender Finanzengpässe bei Renten, Soziales und Gesundheit angehen. Nämlich abwandernde Arbeitsplätze und damit wegfallende staatliche Einnahmen“, so Boris Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie heute in Berlin.
Die Mehrzahl der Spezialisten der deutschen Kautschukbranche erwartet, dass es in Deutschland 2035 keine Kautschukproduktion mehr gibt. So das Ergebnis des aktuellen Verbandstags der Branche. Einigkeit herrscht bei den Ursachen: Energiekosten und Bürokratielasten. Die jüngsten Brandbriefe der Chemie- und Metall-Industrie seien mehr als Warnungen. Sie seien Abschiedsschreiben, nachdem die Standortbedingungen in Deutschland sich nicht verbessern. „Die Gründe sind nicht gottgegeben, sie sind menschengemacht“, so Engelhardt weiter. „Statt Ankündigungen zum Wumms und Doppelwumms, Sommer der Reformen 2025, Herbst der Reformen, Winter der Reformen und nun bald schon wieder Herbst der Reformen: Politisch verantwortliche Menschen müssen handeln! Damit unsere Industriequote in Deutschland nicht weiter sinkt. Damit sich nicht mit zwiespältigen Local-Content-Schutzmaßnahmen gegen Billigkonkurrenz zur Wehr gesetzt werden muss“, betont der wdk-Hauptgeschäftsführer.
Stattdessen verlören sich Ministerien und Bundesregierung im Klein-Klein der Bürokratie. Engelhardt nennt als Beispiel Energiekosten und Bürokratie: Die vermeintlichen Entlastungspakete für die Industrie brächten in erster Linie eins: Mehr Bürokratie. Und in der Praxis unter einem Cent Kostenentlastung je Kilowattstunde, seien also wirkungslos. Wer den Realitätsverlust Brüsseler Bürokraten hautnah erleben wolle, müsse nur PPWR googeln. „Das Bürokratiemonster für Verpackungen startet gerade. Die gleiche Blaupause wie bei der EU-Lieferkettenregulierung, mit der die EU-Kommission erheblichen Flurschaden in der EU-Wirtschaft und global angerichtet hat. Die Bundesregierung ist gefordert! Kehrtwende in Europa! Kümmert es die EU-Kommission, wenn deutsche Industrie aus Deutschland Richtung Osteuropa abwandert? Logischerweise nicht, denn für sie ist ja alles wie gehabt. Die Industrie bleibt im EU-Raum. Kümmert es die EU, wenn die Industrie ihre Produktion außerhalb Europas verlagert? Kaum, denn Europa wird ja dadurch emissionsfreier. Und an den EU-Außengrenzen hat sie ja das CBAM-Bürokratiemonster eingerichtet. Sollte es nicht zumindest die deutschen Renten- und Sozialsysteme kümmern, dass die Industrie gezwungen ist, Deutschland zu verlassen? Und damit sind wir wieder am Anfang: Ursachen bekämpfen, statt Symptome!“, so Engelhardt abschließend.
