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Automobilzulieferer: Ausverkauf droht

Die Automobilindustrie in Deutschland hat aufgrund ihrer Größe per se erheblichen Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Ihre Bedeutung ist aufgrund der Verflechtung mit den Zulieferern jedoch noch viel höher einzuschätzen. Die Automobil-Zulieferlandschaft aus vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen – auch aus der Gummiindustrie – hoch spezialisiert auf einzelne Bauteile und damit häufig Weltmarktführer, bilden das Rückgrat der breiten Industriestruktur Deutschlands.

Die Automobilindustrie in Deutschland hat aufgrund ihrer Größe per se erheblichen Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Ihre Bedeutung ist aufgrund der Verflechtung mit den Zulieferern jedoch noch viel höher einzuschätzen. Die Automobil-Zulieferlandschaft aus vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen – auch aus der Gummiindustrie –  hoch spezialisiert auf einzelne Bauteile und damit häufig Weltmarktführer, bilden das Rückgrat der breiten Industriestruktur Deutschlands.

Für die Zulieferindustrie ist die industrielle Transformation ein epochaler Umbruch und bedeutet häufig die Umgestaltung ihres kompletten Produktportfolios binnen weniger Jahre. Dies erfordert immense Investitionen, die die Unternehmen nur mit äußerster Kraftanstrengung allein leisten können. Die Coronapandemie mit Lockdowns, der Ukraine-Krieg mit disruptiven Lieferketten und Kostenexplosionen und aktuell eine ausgeprägte Nachfrageschwäche durch eine hohe Inflation treffen die Unternehmen zur Unzeit. Ein Abreißen der Cashflows konnte nicht in allen Fällen verhindert werden, sodass es infolge der externen Schocks zu vermehrten Fusionen und auch Geschäftsaufgaben kommen kann, wenn die Unternehmen nicht unbürokratisch bei der Krisenbewältigung unterstützt werden. Im deutschen Mittelstand ist bereits ein Ausverkauf in Gang gekommen, dessen Ende noch nicht absehbar ist. Auch viele Familien geführte Firmen werden verkauft. Die hinter verschlossenen Türen unterzeichneten Kooperationsverträge sind im Kern Übernahmen. Die klassischen Zulieferer sind zu kapitalschwach, um auf dem Weltmarkt mithalten zu können. Weder Banken und Sparkassen noch Venture-Capital-Geber stehen dem Mittelstand im ausreichenden Maße zur Seite. In Deutschland droht ein Ausverkauf – von Arbeitsplätzen, Know-how und ganzen Produktionsnetzwerken.

Im Jahr 2022 stand die Produktionsseite im Mittelpunkt eines für die deutschen Automobilzulieferer turbulenten Jahres. Verfügbarkeitsengpässe bei Materialien, Energie und Logistikdienstleistungen führten zu Kostenexplosionen und die Unternehmen mussten ihre Ressourcen auf eine kostendeckende Bedienung der Nachfrage fokussieren – was bei den exorbitant und permanent steigenden Kosten eher unzulänglich gelang.

Das laufende Jahr 2023 steht unter einem gänzlich anderen Vorzeichen. Noch sorgen Auftragsbestände für eine leidliche Auslastung, es droht angesichts der wegbrechenden Auftragseingänge bei den Automobilherstellern aber eine fehlende Nachfrage, die andere Industriezweige schon erfasst hat. Global schwächelt die Wirtschaft und Neugeschäft ist Mangelware. Geblieben ist die hohe Kostenstruktur. Zwar haben die Rohstoff-, Energie- und Logistikpreise im Schiffverkehr im ersten Halbjahr 2023 nachgegeben, für die Unternehmen ist das aber nur punktuell relevant; ihre Einkaufsumfänge sind angesichts aufgebauter Lagerbestände überschaubar. Vom gefallenen Spotmarktpreis für Energie profitieren die wenigsten Unternehmen der Branche. Sie mussten ihre Verträge zur Absicherung der eigenen Versorgungssicherheit in der Hochpreisphase im letzten Jahr abschließen. Und, bei den Logistikdienstleistungen haben sich die Kosten vom „Wasser auf die Straße“ verlagert. Seefracht ist wieder erschwinglich, Lkw-Transportleistung dagegen knapp und teuer. Knapp und teuer gilt auch weiterhin für wichtige Rohstoffe, deren Kapazitäten von der Angebotsseite limitiert werden. Das gilt für sanktionierte Rohstoffe, für von einschränkender Regulierung bedrohte Rohstoffe oder für durch unternehmerische Kapazitätseinschränkungen in der energieintensiven Vorleistungsgüterindustrie knappe Rohstoffe.

Es ergeben sich herausfordernde Aufgabenstellungen für die Automobilzulieferer. An erster Stelle ist die Sicherung von Erträgen zu nennen. Der Einsatz der vorrätigen teuren Materialien bei nachgebenden Marktpreisen für Rohstoffe ist auf Kundenseite schwer vermittelbar, aber existenziell, da die Erträge bereits in den letzten Jahren erodiert und die Eigenkapitaldecken angegriffen sind.

Die Branchendaten der Kunststoff- und Gummiindustrie (im Kinzigtal) für das erste Halbjahr 2023 stehen im Einklang mit den skizzierten rezessiven Tendenzen der gesamten deutschen Industrie und lassen für die nahe Zukunft keinen großen Optimismus zu. Die eher marginale Umsatzausweitung bei verringerter Menge deutet darauf hin, dass Inflation und Lagerbestand dämpfenden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung nehmen und dabei zunehmend auf eine nachlassende bzw. zurückhaltende Nachfrage treffen. Dazu kommen das Insourcing von Umfängen bei den Fahrzeugherstellern zur Auslastung eigener Kapazitäten und eine durch die Elektromobilität verursachte Reduzierung von Zuliefererkomponenten. Die deutschen Automobilzulieferer stehen damit weiter mit dem Rücken zur Wand und bleiben ohne partnerschaftliche Zusammenarbeit ihrer Kunden existenziell bedroht.

Auch ein vorteilhafter Standort und eine unterstützende Wirtschaftspolitik wären überaus hilfreich in der aktuellen konjunkturellen Situation. Beides ist aber weitgehend Fehlanzeige. Im internationalen Wettbewerb fällt der Produktionsstandort Deutschland immer weiter zurück – teure Energie, undurchsichtige Bürokratie, starke nationale und europäische Regulierung, hohe Unternehmenssteuern und Arbeitskosten sowie ein eklatanter Fachkräftemangel sind die Schlagworte.

Gleichzeitig schreitet die politisch erzwungene Transformation der Wirtschaft stetig voran. Es wird angesichts der aktuell brenzligen Marktlage oft übersehen, dass die politisch induzierte und regulierte Transformation der Wirtschaft, die parallel jedes Unternehmen in seiner strategischen Ausrichtung trifft, an sich schon eine Mammutaufgabe darstellt. Das lässt sich alles an wenigen Schlagworten festmachen: Mobilitätswende und Klimaschutz, Rohstoffverbote, Firmenfinanzierungsregulierung (EU-Taxonomie), Produktregulierung, Designregulierung, staatliche Regulierung technischer Regelsetzung, Lieferkettenregulierung, Emissionsregulierung, Energiewende, Carbon Footprint Regulierung, Digitalisierung und Einsatz von KI, Compliance-Regulierung, Nachhaltigkeits-Regulierung.

In einer „schlauen“ Transformation liegt aber auch die Chance der deutschen Unternehmen. Sie haben das Know-how, das Verantwortungsbewusstsein und die personellen und technologischen Ressourcen die Anforderungen der Zukunft perfekt zu erfüllen. Und sie besitzen in Deutschland ein starkes Netzwerk, um Herausforderungen gemeinsam angehen und lösen zu können. Darin liegt ihr Wettbewerbsvorteil im internationalen Wettbewerb. Die anstehende Durststrecke gilt es zu überstehen und dann gut aufgestellt in den nächsten Aufschwung zu starten.