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Erste Analyse der COVID 19-Auswirkungen auf die europäische Kautschukindustrie

Wir sind gerade dabei, die eingehenden Daten zu quantifizieren und Szenarien-Rechnungen für die Branche aufzustellen. Noch in der ersten April-Hälfte werden wir uns hierzu dezidiert äußern. Qualitativ haben wir jetzt einen ersten Befund für die deutsche Kautschukindustrie formuliert, den wir hier nachstehend – ergänzt um ähnlich gelagerte Aussagen unserer Partnerverbände aus Frankreich, Italien, Spanien und Finnland – zur Kenntnis geben.

Deutschland

Die Automobilzulieferer haben „Hausarrest“. Alle Geschäftsaktivitäten sind letzte Woche plötzlich zum Erliegen gekommen. Die Mitarbeiter – rund 80 % – werden derzeit in staatlich geförderte Kurzarbeit geschickt. Grundlage ist dabei eine Vereinbarung zwischen den Gewerkschaften und der Unternehmensleitung. Der wdk setzt sich aktuell dafür ein, die Kommunikation zwischen den OEMs und GRG zu verbessern. Benötigt werden konkrete Ankündigungen, wann die Unternehmen der Branche mit einem Neustart rechnen können. Sensibilisiert wird auch dafür, fällige Zahlungen zu überweisen. Andernfalls werden die Unternehmen ernsthafte Probleme mit ihrer Liquidität haben.

Haushaltswaren und Gesundheitswesen: Bislang sind keine ernsthaften Auswirkungen erkennbar. Probleme gibt es dort, wo Waren über Einzelhandelsgeschäfte verkauft werden, die jetzt durch öffentliche Restriktionen geschlossen sind.

Gebäude und Infrastruktur: Es liegen nur wenige Informationen über die gegenwärtigen Herausforderungen vor. Der Sektor an sich läuft recht gut und die öffentlich oder privat finanzierten Arbeiten werden immer noch durchgeführt, die Baustellen sind in Betrieb. Der wdk erwartet allerdings einen Rückschlag bei den Investitionen nach der Krise.

Die Produktion im Allgemeinen: Der wdk hat einen Appell an die deutschen Behörden gerichtet (zusammen mit mehreren Verbänden, die die Automobilzulieferer vertreten), die Mobilität der Arbeitnehmer zu gewährleisten, damit die Unternehmen am Laufen bleiben. Außerdem hat der wdk darum gebeten, mehr Flexibilität bei den Geschäfts- und Arbeitszeiten zuzulassen, da die Produktionsprozesse aufgrund von Trennungsregeln angepasst werden müssen.

Im Allgemeinen: Die meisten GRG-Unternehmen sind KMUs – viele von ihnen benötigen oder werden Hilfe brauchen. Sie benötigen spezifische staatliche Unterstützung bei der Finanzierung (nicht rückzahlbare Darlehen). Und sie brauchen sie schnell.

 

Frankreich

Aktuell sind alle Reifenwerke und 80% der GRG-Werke geschlossen. Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen werden massiv sein. Die meisten Unternehmen beantragten eine staatlich subventionierte Kurzarbeit, aber nur wenige haben bisher eine Antwort erhalten, da die Zahl der Anfragen enorm ist. Der französische Verband unterstützt zu  vielen Themen wie Sicherheitsmaßnahmen, finanzielle Unterstützungsmaßnahmen, Lieferbeziehungen der OEMs, Vorbereitung des Neustarts….

 

Italien

Am 25.03.2020 hat die italienische Regierung die Produktion im Gummisektor von Liste der Industriebranchen mit “systemrelevanten Aktivitäten, die vom Produktions-Stillstand  ausgenommen sind”, gestrichen, d.h. die Produktion ruht jetzt zwangsweise. Der Verband wurde nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden.

 

Spanien

Die spanische Regierung hat den Alarmzustand verordnet, aber noch nicht die Entscheidung getroffen, nicht wesentliche Geschäftsaktivitäten einzustellen, obwohl sie in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenkongresses von der Mehrheit der Fraktionen in diesem Sinne viel Druck erhalten hat. Wenn man auf die positiven Ergebnisse schaut, die in Italien durch diese Maßnahme erzielt werden konnten, wäre es nicht verwunderlich, wenn diese staatliche Verfügung in kurzer Zeit eintreten könnte. Von der Regierung wurde noch nicht mitgeteilt, welche die systemrelevanten Sektoren sind. Im ersten Entwurf, waren die Sektoren zur Herstellung von Gummiartikeln sowie der Vertrieb enthalten. Auf jeden Fall wird die Aktivität der Unternehmen in der Lieferkette, der Komponentenhersteller, der Hersteller von Gummimischungen und der Rohstoffhändler, durch die Schließung der Fahrzeugproduktionswerke (in Spanien sind alle eingestellt) verlangsamt, auch gibt es bereits Fälle von Aktivitätsstillstand. Die spanische Regierung hat die Option der Zeitarbeitsregelungen flexibler gestaltet, und mehrere Unternehmen nutzen dieses Instrument, auch wenn diese Option heute noch nicht massiv angewandt wird. Andererseits ist das große Problem, das heute in Spanien besteht, der Mangel an individueller Schutzausrüstung (PSA), zahlreiche Produktionsstätten (auch in der Kautschukindustrie) stellen ihre Produktionsketten um, um Komponenten für diese Ausrüstung (Handschuhe, Masken, Atemschutzmembranen …) herzustellen. Ohne Zweifel wird, sobald wir den Covid-19 besiegt haben, eine unvorstellbare Krise aus wirtschaftlicher Sicht beginnen, auf die wir uns vorbereiten müssen.

 

Finnland

Unsere Regierung folgt dem italienischen Beispiel, und die Abriegelung Südfinnlands (das so genannte Uusimaa-Gebiet) wird am 27. März beginnen und mindestens drei Wochen dauern. Alle Reisen sind bereits seit Anfang März eingeschränkt. Die Unternehmen arbeiten also gerade im Rahmen des Gesetzes über Notstandsbefugnisse. Im Grunde genommen ist der Ausblick für Finnland derselbe, wie er von Deutschland und Frankreich geschrieben wurde. Die GRG-Unternehmen, die den Automobilsektor, vor allem den Schwerlastbereich, beliefern, haben Probleme. Die Situation ist seltsam, die Kunden stellen ihre eigene Produktion ein, weil einige Komponenten fehlen, aber sie stornieren nicht ihre eigenen Aufträge. Auch der Bau zeigt eine Verlangsamung, weil die Reisefreiheit der Arbeiter eingeschränkt ist.